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Mouanko-zwischen Tradition und Moderne


Der Strand von Yoyo bei Mouanko
Der Strand von Yoyo bei Mouanko

Die deutschen Kolonialisten hatten hier einen Handelsstützpunkt. Die Stadt liegt verkehrsgünstig unweit des längsten Flusses Sanaga. Heute fahren selten Schiffe auf dem Sanaga, manchmal ein Schnellboot mit Touristen, ansonsten nur Einbäume der lokalen Fischer. Sie fischen Karpfen oder Kapitänsfische. Im April gibt es dann jede Menge Muscheln, Austern nennt man sie hier. Sie werden vom Flussbett aufgesammelt und direkt in Säcke gepackt und nach Douala geschickt. In den Restaurants der Handelsmetropole ein geschätztes Mahl. Auch die Muschelschalen ein Reichtum. Für diese kommen LKW chinesischer Unternehmen. Die Schalen sind kostbar und werden nach China verschifft. Dort brennt man eine Keramik auf der Basis des Perlmutts.

Man kann Mouanko auch auf dem Landweg erreichen. Drei Stunden von Douala fährt man über Sandpisten durch die nicht enden wollenden Palmenplantagen. Palmen nichts als Palmen, dann wieder ein alter LKW beladen mit Palmfrüchten auf dem Weg zur Ölfabrik. Das sind verrauchte Unterstände zwischen den Bäumen. Männer kochen aus den Früchten einen Ölsud in riesigen Fässern, Holzfeuer bringt die Suppe zum Kochen. Überall in den Hainen gibt es solche Kochstellen, die Männer tragen Arbeitskleidung und grüne Gummistiefel. Hinter dem Kochhangar zwei Reihen Holzhäuser. Hier wohnen die Arbeiter, andere werden mit dem umgebauten LKW mit der Aufschrift „Mitarbeiter Transport“ morgens früh in die Haine gefahren: Sie schneiden die Früchte von den Bäumen, laden auf oder lichten auch mal das Unkraut, das sich in der Monokultur gerne entwickelt. Monoton die Arbeit, aber Hauptsache Arbeit. Auf halben Wege nach Mouanko eine Gruppe Schulkinder in weiß blauen Schuluniformen. Hoffnungsvoll. Vielleicht ist die Schule der Weg raus aus der Plantage. Vielleicht, vielleicht auch nicht.

In Mouanko angekommen trifft man sich unter dem großen Mangobaum gegenüber der Fest Tribüne, Männer sitzen an schnellgezimmerten Holztischen und lassen sich ihr Feierabendbier schmecken. Manche waren fischen, andere im Wald. Jetzt sitzen sie da  im Schatten so wie jeden Abend in Mouanko, so wie schon ihre Väter und ihre Großväter. Denn hier ändert sich nicht viel.

Bei einem Spaziergang durch die Stadt und das angrenzende Ufer des Sanaga treffe ich Serge, als er dabei ist, seine Fangreusen für Süßwasser Garnelen zu überprüfen. In aufgeschnittenen Plastikflaschen hat er den Garnelen eine Falle gebaut. Tatsächlich hat er eine gefangen. Stolz präsentiert er sie mir und berichtet mir dann von seiner Arbeit als Gärtner in einer Hotelanlage. Er sei nicht aus Mouanko, sondern aus Bertoua im Osten. Mit seinem Außen Blick berichtet er mir von den Geschehnisse in Mouanko, seitdem er seit 15 Jahren hier angekommen ist. Dort drüben, zeigt er mir, sei der heilige Wald. In den dürfen nur initiierte Personen aus Mouanko und immer nur zu zweit und umschauen dürfe man sich auch nicht, sagt der vielleicht 60 jährige Mann. Einmal im Jahr treffen sich die Initiierten dort und halten ihre Geheimsitzungen ab. Mystik und Naturreligion ist nach wie vor lebendig  in Mouanko. „Deshalb hat sich hier nicht viel verändert!“ sagt Serge ein bisschen melancholisch. „Hier möchte man keine Veränderung!“ Dabei gäbe es so großes touristisches Potential, schwärmt er. „Da ist der Fluss, die Affeninsel und der lange naturbelassene Strand von Yoyo.“ Ja es habe Projekt gegeben, die Straße zu asphaltieren, aus Saudi Arabien war Geld für eine Universität bereitgestellt worden. Doch alle Projekte seien im Sand verlaufen. Die Macht der Ahnen und Initiierten sei groß. Vor ihr schrecken auch Investoren und sogar Vertreter des Nationalstaates zurück. Ich bedanke für die Eindrücke und denke darüber nach. Der Wunsch nach Veränderung, Entwicklung und andererseits die Sorge vor Ausbeutung und Verarmung, Kontrollverlust. Ich kann die Hüter der Tradition auch verstehen, dass sie sich gegen Investitionen mit Mystik wehren, denn in vielen anderen Dörfer haben Projekte letztendlich die Menschen arm, korrupt und traurig gemacht. Der König von Mouanko und die Initiierten suchen stattdessen noch nach ihrem eigenen angepassten Weg, Tradition und Fortschritt in Einklang zu bringen. Ich bin gespannt, vielleicht ist Mouanko, die verschlafene Kleinstadt an den Ufern des Sanaga Flusses, in einigen Jahren ein gutes Beispiel für kommunale und angepasste Entwicklung und eine wohlhabende Stadt - die Ahnen werden es wissen!

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