Die Legende von Mbartoua, dem Unsichtbaren
- Sandra van Edig
- 3. März 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. März 2025

Mbartoua war ein Krieger vom Volk der Gabaya. Er kam aus dem Nordosten (da wo heute die zentralafrikanische Republik ist) und unterwarf die Völker auf seinem Feldzug Richtung Südwesten „integrativ“ auf gut Deutsch heißt das so viel wie: „Schließ dich mir an oder stirb“. Manche schlossen sich an, viele starben, andere flohen in die Berge oder in die Wälder. Seit dieser Zeit siedelte er mit den Seinen am Rande des mächtigen Nyon Flusses, in den fruchtbaren Sümpfen und den schattigen Wäldern im Osten des heutigen Kameruns. Das war gegen 1890. Dann kamen die deutschen Imperialisten auf den Plan. Sie wollten den Osten kolonisieren, doch Mbartoua war damit nicht einverstanden. Stattdessen bot er den deutschen Kolonialtruppen die kriegerische Stirn und er hatte einen Vorteil: Dank mystischer Kräfte und wahrscheinlich einiger Zauberkräuter war er unsichtbar. Die deutschen Soldaten waren traumatisiert vom Hufgetrappel in den Tiefen der Wälder und den vielen Angriffen aus dem Nichts. Sie wurden halb wahnsinnig vor Angst. Er hielt die deutschen Soldaten zum Narren und widersetze sich jahrelang. Dann hatte der Offizier mit Namen „von Blink“ die glorreiche Idee, seinen Sohn zu entführen: Gesagt getan. Längst hatte der Krieger sich in einer Grotte mitten im Wald verschanzt. Dorthin überbrachte ihm seine Frau die Nachricht. Halbwahnsinnig vor Sorge um ihren Sohn, flehte sie ihren Mann an, nicht so selbstsüchtig zu sein und an seine Nachfahren zu denken. Und so ergab er sich. Selbstsüchtig wollte er nicht sein. Der legendäre Krieger legte seine Amulette ab, nahm den Hut vom Kopf und wurde sichtbar. Da stand er vor den zitternden Soldaten, hatten sie doch den Auftrag den Hünen lebendig gefangen zu nehmen. Einer der deutschen Schützen verlor die Geduld und zielte auf die Brust Mbartouas, andere taten es ihm nach: 12 Kugeln durchsiebten den gestählten Körper. Mbartoua starb 1903 in der Grotte mitten im Wald. Sein Sohn wurde befreit und verhandelte bald mit den Deutschen, die die Gegend kolonisierten, Brücken und Verwaltungsgebäude bauten, um das Land und die Bevölkerung besser zu kontrollieren. 1916 sind auch sie gegangen. Da hatten sie den 1. Weltkrieg in Kamerun bereits verloren. Und es
kamen die Franzosen…
Heute ist Amadou König der Gbaya am Ufer des Nyon. Ich habe ihn in seinem Palast besucht. Ein 88jähriger Mann, stolz sitzt er auf dem Thron und berichtet mir mit glänzenden Augen von seinem legendären Großvater, der der Stadt seinen Namen verlieh. Mbertoua.



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