Kourman - wortgewaltiger Dichter der Wüste
- Sandra van Edig
- 11. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Während unserer Recherchen in Paris am Quai Branly in den Archiven der Bibliothek stiess ich auf das Gedicht des unvergessenen Dichters Kourman. Geboren wohl um die Jahrhundertwende starb er 1989 in Arlit, im Norden Nigers. Seine Gedichte wurden 1976 vom verstorbenen Ghoubeïd Alojaly aufgenommen, einem Experten der tamasheq Literatur. Kourman war vielleicht nicht der bekannteste, aber einer der originellsten Dichter: Viele Mitglieder seiner Ethnie Kel Ferwan kennen Teile seines Werks auswendig. Das Gedicht schildert die nächtlichen Qualen eines Liebenden, dessen Gedanken wie Raubvögel auf ihn einfallen. Die visionäre Kraft dieser Bilder ist selten in der tamasheq Poesie und zeigt Kourmans besonderes Können. So leidenschaftliche, so bildlich. Fazinierend. Dominique Casajus, der in den 80 ziger Jahren in Nordniger bei den Kel Ferwan gelebt und geforscht hat und tiefe Kenntnis der Poesie der Tamasheq gewinnen konnte, hat interessante Betrachtungen zu diesem Werk herausgegeben. Wer mehr über die herausragende Dichtung der Tamasheq hören möchte, dem empfehle ich dieses Vidéos.
Und hier nun das wunderbare Gedicht:
Während alle schlafen,
erhebt sich mein Lied der Liebe
Gedanken jagen mich, vom dunklen Dämon gehaucht,
dessen faulige Worte meine Seele quälen.
Ich sehe ihn erzittern, vor mir auftauchen, grausam wie die Hyäne,
wild wie der Eber im Schlamm.
Er flüstert: „Ich weiß, welche süßen Gespräche uns die Geliebte schenken würde,
deren Mund beim Öffnen Zähne zeigt,
weiß und kostbar wie feine Baumwollfäden.“
Im Traum umfasse ich ihren Hals, beneidet von der Gazelle der Steppe.
Ihr Haar glänzt wie gedrehte Ziegenwolle,
ihre Haut wie Regen auf dürrem Land.
Ihr Gesicht – mein Schmerz, mein Gift.
Ein Adler kreist über mir, von gierigen Raben begleitet,
taucht herab, badet im Blut,
bis der Dämon ihn mit dem Schwert trifft.
Die Vision vergeht im Flügelschlag.
Ich besteige mein Kamel,
ziehe die Sattelschnur fest
und treibe es an mit einem Zweig des Gummibaums.
(Frei übersetzt)




Kommentare