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Ein letzter Bericht

  • Autorenbild: Milan
    Milan
  • 5. Mai 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Seit der Rückkehr aus Sumy war ich wieder durchgehend in Dnipro. Das Zusammenleben in der Basis wechselt zwischen einer kleinen Wohngemeinschaft unter der Woche und einem Klassenfahrt-Gefühl am Wochenende, wenn alle Außenteams zurückkommen. Die kulinarischen Standards sind mit der aktuellen Besetzung extremst hochgeschraubt worden, jeden Abend gibt es feinste Kochkunst mit Candlelightdinner, gelegentlich  muss man die ersten paar Verdauungsstunden im Keller verbringen um die Drohnenangriffe auszusitzen. Am Wochenende wurde groß eingekauft und die zum Haus gehörenden Grills kamen zum Einsatz. Wir essen immer noch von den Resten.


Auch die Teams sind wieder neu zusammengesetzt worden, die Stimmung ist gut, auch als wir bei einem bisher nicht eingesetzten Auto zuerst mit dem Strom und anschließend mit einem deutlich kleiner als erwartetem Dieseltank irgendwo draußen Probleme kriegen machen alle das Beste draus – selbst der zum Glück nicht sonderlich beeinträchtigte Patient bleibt geduldig.


Ein guter Anteil der Fahrten besteht hier weiter aus Kurzstrecken zum Zug oder heimatnahen Verlegungen von neurologischen oder neurochirurgischen PatientInnen, ohne besondere Herausforderungen. Einige Fälle stechen aus der Menge heraus und fordern dann intensivmedizinisch mehr. Wir haben innerhalb weniger Stunden einen beatmeten Patienten mit Subduralhämatom, den wir zur neurochirurgischen Versorgung bringen müssen. Bereits auf dem Stunden vorher angefertigten CT ist wenig Platz zu sehen, zwischenzeitlich ist eine Pupille geweitet und nicht mehr lichtreagibel, mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und vor allem einem zügigen Transport können wir ihn zumindest in unveränderten Zustand übergeben. Ein anderer Patient hat großflächige Verbrennungen nach einer Explosion, wir schätzen die Fläche auf fast 40% der Körperoberfläche. Besonders betroffen ist das Gesicht und der Kopf, das erstversorgende Krankenhaus hat ihn wach gelassen da er ja vernünftig Luft bekomme – wir übernehmen ihn erst zwei Stunden später mit noch deutlich geschwollenerem Gesicht von einer anderen Ambulanz auf einem dunklen Parkplatz irgen. Die früher oder später unvermeidliche Intubation würde hier zu einer Zitterpartie werden. Wir erwägen auch eine primäre chirurgische Atemwegssicherung, schlussendlich ergibt die Nutzen-Risiko Abwägung eine Fortführung des Transports. Es geht alles gut, die aufnehmende Anästhesistin im eher sparsam eingerichteten Verbrennungskrankenhaus muss sich jedoch schlussendlich für die operative Versorgung dem Atemweg stellen und ist darüber verständlicherweise wenig begeistert.


Eine andere Fahrt ging gestern Abend von Dnipro aus nach Kropvynytski, wo wir ein 8 jähriges Mädchen mit Herzfehler und Magenblutung abholen um es morgens früh in Kyiv im Kinderkrankenhaus Okhmadyt zu übergeben. Tagsüber bereiten wir uns ausführlich vor, letzendlich ist das Kind stabil und vor allem sehr verängstigt – die Abholzeit um 03 Uhr morgens trägt natürlich auch dazu bei, auch der Teddybär hilft nur wenig. Die gesamte Tour dauert 14 Stunden und wir fahren 1100 Kilometer.


Perspektivisch werde ich die verbleibenden beiden Wochen wohl in Dnipro bleiben, die Außenrotationen sind mit bezahltem Personal besetzt. Eventuell komme ich irgendwann für eine solche wieder, bis dahin habe ich allerdings noch andere Projekte denen ich mich widmen möchte.

Teddy darf mit nach Kyiv
Teddy darf mit nach Kyiv

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